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Full Ring Startinghandschart
Diese Artikelreihe richtet sich in erster Linie an Einsteiger im Texas Hold´em Poker und soll einen ersten Überblick über die strategischen Möglichkeiten des Spiels leisten. Ihr werdet euch auf den unteren Limits größtenteils mit Full Ring (außer dir sitzen bis zu 9 weitere Mitspieler am Tisch) Tischen auseinandersetzen müssen, da die meisten Anbieter erst ab NL 25 genügend 6max Tische in ihr Angebot aufnehmen – ein früherer Umstieg würde sich durch den geringen Traffic schlichtweg nicht lohnen. Außerdem sind 6max Tische durch die geringere Spieleranzahl entsprechend looser (es werden mehr Hände gespielt), was eine kompliziertere und vor allem angepasstere Spielweise als mit 9 Gegenspielern erfordert. Der Umkehrschluss ist allerdings nicht, dass ihr später überhaupt keine Full Ring Tische mehr zur Verfügung haben werdet, sollte euch das etwas tightere Spiel liegen könnt ihr das natürlich auch bis in die hohen Limits fortsetzen.
Choose your hands wisely
Kommen wir nun aber zum eigentlichen Kern des Themas: Profitables Preflopspiel. Hinter dieser Alliteration verbirgt sich ein essentielles, wenn nicht DAS essentiellste Konzept im Poker: Die richtige Auswahl der Starthände. Hier werden gerade auf den niedrigen Limits unglaublich viele Fehler gemacht - und dass ist gut so. Denn jeder Fehler eurer Kontrahenten wirkt sich im Poker direkt auf eure Gewinnspanne und damit natürlich auch auf eure Bankroll aus, in kaum einem anderen Spiel kann man gegnerische Schwächen so wunderbar exploiten (ausnutzen) wie im Texas Hold´em. Um euch als Einsteigern hier die Orientierung zu erleichtern, benutzt wir ein sogenanntes Startinghandschart – oder abgekürzt SHC. Das SHC verschafft euch einen Überblick über die Hände, die ihr später vor dem Flop spielen werdet und beinhaltet zusätzlich noch zwei sehr bedeutende Faktoren: Eure Position – sprich wann ihr die Hände spielt und die Action vor euch. Beide sind immens wichtig wenn es darum geht ob ihr callt, raist, bettet oder folded, denn jede gegnerische Aktion hat, genauso wie eure Position am Pokertisch, eine erhebliche Auswirkung auf die Dynamik des Spiels. Nun aber zum SHC inklusive Legende:
| Deine Hand: |
Gegnerische Aktion: |
Early Pos. |
Middle Pos. |
Late Pos. |
Blinds |
| AA,KK,QQ |
Fold: |
RAISE |
RAISE |
RAISE |
RAISE |
| AA,KK,QQ |
Call: |
RAISE |
RAISE |
RAISE |
RAISE |
| AA,KK,QQ |
Raise: |
RAISE |
RAISE |
RAISE |
RAISE |
| JJ,TT |
Fold: |
RAISE |
RAISE |
RAISE |
RAISE |
| JJ,TT |
Call: |
RAISE |
RAISE |
RAISE |
RAISE |
| JJ,TT |
Raise: |
CALL 20 |
CALL 20 |
CALL 20 |
CALL 20 |
| 99-22 |
Fold: |
FOLD |
CALL |
RAISE |
CALL |
| 99-22 |
Call: |
FOLD |
CALL |
CALL |
CALL |
| 99-22 |
Raise: |
CALL 20 |
CALL 20 |
CALL 20 |
CALL 20 |
| AK |
Fold: |
RAISE |
RAISE |
RAISE |
RAISE |
| AK |
Call: |
RAISE |
RAISE |
RAISE |
RAISE |
| AK |
Raise: |
RAISE |
RAISE |
RAISE |
RAISE |
| AQ,AJ,AT |
Fold: |
FOLD |
RAISE |
RAISE |
RAISE |
| AQ,AJ,AT |
Call: |
FOLD |
FOLD |
RAISE |
CALL |
| AQ,AJ,AT |
Raise: |
FOLD |
FOLD |
FOLD |
FOLD |
| A9s-A2s |
Fold: |
FOLD |
FOLD |
RAISE |
RAISE |
| A9s-A2s |
Call: |
FOLD |
FOLD |
CALL |
CALL |
| A9s-A2s |
Raise: |
FOLD |
FOLD |
FOLD |
FOLD |
| KQs,KJs,KTs, |
Fold: |
FOLD |
FOLD |
RAISE |
RAISE |
| QJs,QTs,JTs |
Call: |
FOLD |
CALL |
CALL |
CALL |
| QJs,QTs,JTs |
Raise: |
FOLD |
FOLD |
FOLD |
FOLD |
| KQo,KJo,KTo, |
Fold: |
FOLD |
FOLD |
RAISE |
RAISE |
| QJo,QTo,JTo |
Call: |
FOLD |
FOLD |
FOLD |
CALL |
| QJo,QTo,JTo |
Raise: |
FOLD |
FOLD |
FOLD |
FOLD |
| T9s-54s |
Fold: |
FOLD |
FOLD |
RAISE |
FOLD |
| T9s-54s |
Call: |
FOLD |
CALL |
CALL |
CALL |
| T9s-54s |
Raise: |
FOLD |
FOLD |
FOLD |
FOLD |
Wie lese ich den Chart richtig?
Zum besseren Verständnis des Charts hier noch einige Erläuterungen und Begrifflichkeiten:
Die generelle Funktionsweise des Startinghandcharts sollte klar sein, auf die Action deiner Gegner vor dir reagierst du einfach entsprechend deiner Position am Tisch. Erhältst du beispielsweise 33 am Button und alle Gegner folden zu dir, schaust du ins SHC und findest unter „99-22“ in Late Position den Eintrag „RAISE“. Du raised also auf das 3 fache des Big Blinds. Etwas komplizierter wird es, wenn du 33 hältst und vor dir bereits geraised wurde. Dann reagierst du gemäß der „CALL20“ Regel. Das heißt du callst immer genau dann, wenn du UND dein Gegner nach dem Raise noch mehr als das 20 fache des Betrages, um den geraised wurde, übrighaben. Sollte dein Gegenspieler auf 3BB geraised haben, braucht ihr beide mindestens einen Reststack von 60BB um einen Call mit 33 für dich profitabel zu machen. Das Ganze hat folgenden Hintergrund: Durch einen Call mit kleinen Pocket Pairs spekulierst du in der Regel darauf, am Flop dein Set (Drilling) zu treffen und deinem Gegner den kompletten Stack abzunehmen – versteckte aber gleichzeitig sehr starke Hände wie diese sind geradezu prädestiniert dazu. Dein Set machst du allerdings nur in 12% der Fälle, weswegen dein Gegner einen relativ großen Reststack haben muss, um den Spielzug dennoch profitabel zu machen.
Suited und offsuited
Wie du mit Sicherheit gemerkt hast, sind einige Hände mit einem s oder einem o versehen. „s“ steht hier für „suited und „o“ für offsuited. Suited bedeutet ganz einfach immer eine gleichfarbige Kartenkombination, zum Beispiel Herzass und Herz 9. Die mit einem o gekennzeichneten Karten sind dementsprechend ungleichfarbig, zum Beispiel Kreuzkönig und Pikbube. Hände wie A9s-A2s eignen sich sehr gut für einen Call aus Late Position, da ihr mit idealerweise mehreren Callern vor euch bei einem komplettierten Flush nie von besseren Flushes dominiert werdet und euren Kontrahenten meistens den gesamten Stack abnehmt.

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