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Fortgeschrittene Konzepte: Der Isolationsraise

Ihr habt bisher die wichtigsten Grundlagen für ein positionsbezogenes Preflopspiel kennengelernt und einige fortgeschrittenere Konzepte wie den Call auf Setvalue und einige Postflop EV Berechnungen verinnerlicht – Zeit für einen weiteren Move in eurem Repertoire, den Isolationsraise.

You should Openlimp – Not!

Für einen Isolationsraise ist eines von essentieller Wichtigkeit: Es muss jemanden zum isolieren geben. Das ist in der Regel ein Limper oder im besten Fall Openlimper (meint, das ohne vorherigen Raise in den Pot eingestiegen wurde, man limpt sozusagen first in – was ihr auf keinen Fall tun solltet) aus den frühen Positionen, was in der Regel auf extrem schlechtes Spiel hindeutet. Die Range solcher Gegner besteht im Wesentlichen aus kleinen suited Connectors, Pocket Pairs und Axs/Kxs Händen – es sollte klar sein wie wir diese Reichweite an Händen exploiten können. Zunächst müssen wir also den Limper isolieren – das tun wir immer in Position, wir befinden uns am Tisch dementsprechend links von ihm. Wir raisen nun auf 4BB, mit einer Range die in etwa so aussieht: AJs+,AJ+,55+,KQs. Ziel dieses Isolationsraises ist es, gegen den Limper Heads-Up zu kommen, um den Pot nach dem Flop aufgrund unseres Positions - und Preflopvorteils entweder durch eine Continuationbet direkt mitzunehmen, oder mit besseren Aces bzw. höheren PP´s Value aus unserem dominierten Kontrahenten zu extrahieren.

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Kleines Beispiel:

Wir sitzen mit AJo in Middle Position und Villian ist so nett und openlimpt für uns aus UTG+1 – UTG2+3 folden. Nun spielen wir bereits seit einigen Orbits an diesem Tisch und schätzen die Gegner hinter uns zumindest Preflop so passiv ein, dass ein Isolationsraise profitable wird. Dementsprechend raisen wir auf 4BB und unser Read stellt sich tatsächlich als richtig heraus – sämtliche Gegner inklusive der Blinds folden zu uns. Der Limper callt unser Raise, den Flop sieht man schließlich nicht alle Tage. Das Board kommt Ah6h9c – und ausnahmsweise ist unsere Continuation Bet for Value. Mr. Openlimp callt und der Turn (3d) blankt, wir schieben also noch eine Barrel hinterher. Mr. Openlimp ist tatsächlich die Callingstation die wir in ihm gesehen haben und tut was er am besten kann: Er callt. Der River (Qd) ist ebenfalls keine schlechte Karte, wir beschließen auf den Check unseres limpenden Freundes noch einmal dreiviertel Potsize hinterherzuschieben – er überlegt kurz und callt uns ein 3. und letztes mal bevor er, genau: Ah5h zeigt. Wir haben also auf 3 Streets Value mit einer relativ leicht zu dominierenden Hand bekommen, nur weil wir wussten das unser Gegner einen Haufen spekulativer Hände in seiner Range hat. Gegen einen guten TAG wären wir leicht dominiert gewesen und hätten uns am Ende selber valuetowned, so haben wir einen mittelgroßen Pot mit einem einfachen aber effektiven Prinzip gewonnen. Und darum geht es im Poker: Gewinn nach im Prinzip einfachen, aber durchdachten Konzepten. Eine weitere Gelegenheit um dieses Prinzip zu verwenden bietet sich, wenn ihr gegen einen Fisch oder Maniac Heads-Up kommen wollt – denn hier reicht in den allermeisten Fällen bereits Top-Pair und ihr spielt um Stacks. Dazu raised ihr wieder in position – einzig eure Range verändert sich ein wenig: A2s+,A7+,KT+,KTs+,QT+,QTs+,JT+,JTs+,55+. Wie ihr seht ein wenig mehr, jedoch aus gutem Grund. Ihr habt hier eine Reichtweite an Händen, die sehr darauf ausgelegt ist, Top Pair mit gutem Kicker zu floppen. Der Vorteil der aus dieser Range erwächst ist klar: Ihr dominiert schlechtere TP´s. Falls ihr euch jetzt jedoch fragt, ob es denn profitabel ist mit dieser relativ weiten Range gegen Fische und Maniacs zu spielen, welche als Gegner natürlich selber ziemlich loose sind: Natürlich. Es ist profitabel, sogar sehr. Allgemein wird zwar empfohlen bei loosem Spiel von Villian eher tighter zu werden, das heißt jedoch nicht dass wir gegen Fische so spielen wie gegen gute Gegner. Wenn wir nämlich anfangen auf two Pair + zu warten und Preflop gegen derart schlechte Gegner nur AQs+,77+,KQs etc. zu raisen, verschenken wir nicht nur einen haufen Value, der Fisch ist auch schneller verschwunden als wir „Petri Heil“ sagen können. Heißt grundsätzlich: Floppen wir beim Spiel gegen Fische oder Verrückte mit 60 VPIP und 25 PFR TPTK, ist das in den allermeisten Fällen ein All-In wert. Sie werden uns ausbezahlen, mit Bottom Pair oder schlechter. Noch ein kurzes Wort zur Adaption gegen Maniacs: In der Regel sind solche Gegner zwar sinnlos aggressiv, folden jedoch häufig auf Wiederstand. Lasst sie also overbetten was das Zeug hält, solltet ihr die passende Hand haben callt einfach alles bis zum River runter. Euer Spiel gegen Maniacs lebt davon, das ihr die Illusion aufrecht erhaltet, er könnte euch mit Betsizes die in keinem Verhältnis zum Pot stehen noch von der Hand runterholen. Call ist hier gleichzeitig eure Waffe und die beste Option.

Zur Veranschaulichung noch eine (aktuelle!) HH gegen jemanden, der offensichtlich völlig over the top spielt:

Full Tilt - $0.25 NL - Holdem - 9 players
Hand converted by PokerTracker 3 UTG: $25.00
UTG+1: $22.93
MP: $31.13
MP+1: $25.00
LP: $75.32
Hero (CO): $25.00
BTN: $24.65
SB: $24.75
BB: $70.87
SB posts SB $0.10, BB posts BB $0.25
Pre Flop: ($0.35) Hero has A T
fold, UTG+1 calls $0.25, fold, fold, fold, Hero raises to $1.25, fold, fold, fold, UTG+1 calls $1.00
Flop: ($2.85, 2 players) 4 3 T
UTG+1 checks, Hero bets $1.50, UTG+1 raises to $3.00, Hero calls $1.50
Turn: ($8.85, 2 players) 7
UTG+1 bets $8.85, Hero raises to $20.75 and is all-in, UTG+1 calls $9.83 and is all-in
River: ($46.21, 2 players) 2

Nein, kein FD, Kombodraw oder eine Zehn bei Villian sondern – K2 offsuit. Hinter solchen Plays steht kein tieferen Sinn oder der Plan am River mit King high gegen Queen high eine Art expert Play zu zeigen, allenfalls die vage Idee dass eine Bet auf dem Flop noch keine Hand sein muss. Am Turn dann der verzweifelte Versuch, den Gegner noch irgendwie aus der Hand zu drängen – und schließlich ein crying Call, vielleicht um sich keine „Blöße“ durch einen Fold zu geben, vielleicht aus reiner Sinnlosigkeit. Hätte Hero hier bereits am Flop gereraised oder gar gepusht, wäre unser Goldesel möglicherweise noch aus der Hand gekommen, der Call am Flop sowie der Push am Turn waren hier genau die richtige Lösung der Situation. Aber Achtung: Solche Lines funktionieren mit TPTK ausschließlich bei Playern denen ihr den Stempel Maniac oder Fisch auch wirklich aufdrücken könnt, es gibt Leute die ihr Spiel balancen (z.B. 60 % Rivershoves for Value/40% als Bluff) und nur weil ihr mal einen gecatchten Riverbluff beobachtet habt, ist das noch keine Freikarte dafür mit TPTK broke zu gehen. Sonst seid ihr es bald.