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Fortgeschrittene Konzepte: Der Float

Zueruck zur fortgeschrittenen Strategie

Wir entfernen uns immer weiter von den Grundlagen und dringen in die Tiefe der fortgeschrittenen Konzepte im No Limit Hold´em ein, nachdem ihr den Isolationsraise kennen und nutzen gelernt habt steht ihr vor einem weiteren essentiellen Spielzug: Dem Float (engl. Treiben (lassen), Fischblase).

Der Float ist per Definition ein sogenannter „Bluffcall“, kann aber auch als Bluffraise gespielt werden. Das Konzept des „Floatens“ ist sehr weit gefasst und erfordert einiges an Übung und Spielverständnis um ihn in den richtigen Spots anwenden zu können, der Erwartungswert ist aber vor allem gegen Gegner die selten second Barreln immens positiv. Bleiben wir aber vorerst bei den Grundlagen.

Wie floate ich?

Das wie ist schnell erklärt: Ein Float ist nichts anderes als der Call einer Continuation Bet eures Gegners auf dem Flop um am Turn auf Schwäche mit einer Bet oder einem Raise zu reagieren. Prinzipiell stützt sich der Spielzug auf die Tatsache, dass die Continuation Bet am Flop ein sehr weit verbreitetes und oft genutztes Konzept ist, warum dieses Wissen also nicht mit einem simplen Call Flop Bet Turn ausnutzen? Nun, es ist, wie so oft, natürlich nicht ganz so einfach – denn auf das wann kommt es an.

Wann floate ich?

Die Kunst des floatens liegt im finden der richtigen Spots gegen die richtigen Gegner, was zunächst keine einfache Aufgabe zu sein scheint. Grundsätzlich floaten wir möglichst in position, oop bekommen wir bereits auf dem Turn übelste Probleme wenn wir überprüfen wollen ob Villian schwäche zeigt, weil wir entweder zuerst Schwäche zeigen oder Bet/Fold spielen müssen – ip alles vermeidbar. Haben wir ein geeignetes Board gefunden stehen wir nur noch vor der Entscheidung Bluffcall oder Bluffraise, falls wir von Villian zu letzterem gezwungen werden ist es an der Zeit, uns unser Gegenüber mal genauer anzuschauen:

Geeignete Gegnertypen

Es gibt mehrere Spielertypen die für unseren Float in Frage kommen, sie zu finden vereinfacht vor allem das benutzen von Stats. Falls ihr ohne Hud spielt, müsst ihr euch ganz auf eure Reads verlassen, was nicht unbedingt schlechter sein muss. Beleuchten wir jedoch zunächst das Spiel mit einem Trackingprogramm:

Folgende Einträge erleichtern euch das bestimmen von „Floatbaren“ Gegnern ungemein, ich empfehle daher dringend sie in euer Hud zu integrieren. Die Rede ist von den Werten „Flop C-Bet“ und „Turn C-Bet“, ist ersterer sehr groß und letzterer sehr klein sollte klar sein, wie wir unser Geld aus diesem Spieler ziehen. Aggressive Spieler die ihr häufig Double Barreln seht sind ebenfalls Kandidaten, aber Achtung: Das floaten solcher Gegner ist ein sehr fortgeschrittener Move und kann euch viel Geld kosten wenn ihr den falschen Spots erwischt. Seit euch also immer ganz genau im Klaren mit wem ihr es zu tun habt, wenn ihr Villian nach einer zweiten Bet auf dem Turn einen Raise präsentiert. Ein Indikator für eine Double Barrel kann ein hoher Flop C-Bet und Turn C-Bet Wert in Verbindung mit abnormalem AF sein – ein noch besserer Punkt wäre natürlich die second Barrel bei einem River c/c im Showdown zu sehen. Wie gesagt, ihr müsst euch hier sicher sein.

Anwendungsbeispiele:

Hier nun einige Beispiele um euch ein Gefühl für Floatbare Boards zu vermitteln:

Wir halten AhJh in late Position und verfehlen das Board mit Qs8d4h leider komplett – unser Kontrahent aller Wahrscheinlichkeit nach aber auch. Wir sehen in unserem Hud einen Wert von 78 % Flop C-Bet und 12 % Turn C-Bet bei Villian und einen VPIP/AF der ihn zu einem Tight aggressiven Spieler stempelt, wie gemacht für unseren Float. Er bettet den Flop wie erwartet mit 2/3 Potsize und wir callen – der Turn (7d) blankt und unser Gegner checkt zu uns (thanks to ip), wir betten und der Pot gehört uns. So einfach.

Im zweiten Beispiel ist der Float nicht ganz so klar. Wir befinden uns mit 4h4s oop und haben wieder verfehlt, der Flop kommt 5h9sJd - Preflop bekamen wir den Call aus MP. Das Board ermöglicht zwar einige schwache draws mit Händen wie KQo oder 78s, (QT lassen wir aufgrund der Preflop Dynamik mal außen vor) ist aber immer noch relativ unkoordiniert. Da wir hier out of Position spielen müssen wir uns in Bezug auf Villian aber umso sicherer sein. Der scheint auf Flop und Turn zwar ein regelrechter Haudraufbruder zu sein, hat aber neben hohen C-Bet Flop und C-Bet Turn Werten einen sehr niedrigen WTS (went to Showdown), was für uns den entscheidenden Ausschlag gibt. Wir entscheiden uns also für die Line Checkcall Flop/Checkraise am Turn – sollte dieser blanken. Wir haben Glück, die 2h ist in diesem Szenario eine extrem gute Karte und raisen seine Bet um das dreifache, einen Preis den er mit offensichtlich nichts auf der Hand nicht zu zahlen bereit ist. GG.

Diese Szenarien können jedoch stark zu eurem Nachteil abweichen wenn eine der folgenden Regeln nicht zutrifft:

- Ihr befindet euch Heads-Up mit eurem Gegner
- Ihr spielt in position
- Ihr habt aufgrund von Stats/Beobachtungen einen sehr! guten Read auf euren Gegner
- Benutzt ihn nicht als Standardlösung auf eine C-Bet, Gegner die nicht komplett im Koma liegen passen sich evtl. an

Davon abgesehen ist der Float ab den Smallstakes/Midstakes ein gängiges und gut aufgehendes Konzept, das euer Spiel in jedem Fall um einiges variabler gestaltet. Viel Spaß beim treiben in der Fischblase.