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Der Call auf Setvalue – oder: Richtiges Set mining auf den Low – Midstakes

Er ist berühmt, er ist berüchtigt - er ist einfach erfolgreich: Der Call auf Setvalue ist deine schärfste Waffe im Arsenal, sozusagen das Pferd auf das du setzen solltest wenn du die Low - Midstakes schnell hinter dir lassen willst. Seit das Motto „Tight is right“ auch bis zu den Lowstakes vorgedrungen ist, mehr denn je. Setzen wir uns jedoch erst mal mit den Basics auseinander: „Set mining“, oder ein „Call auf Setvalue“ basiert eigentlich, wie so oft im Poker, auf einer eher einfachen Statistik. Wir callen hier immer Preflop in der Hoffnung, am Flop unseren Drilling zu treffen, was in einem von neun Fällen auch passiert. Das sind 11,75 % Chancen für unser Set, also wie gesagt etwa 8 zu 1. Um aus dieser Information nun einen profitablen und zugleich allgemeingültigen Spielzug zu machen, müssen wir den von uns zu callenden Betrag in ein Verhältnis mit dem Stack unseres Gegners setzen. Klingt kompliziert, ist aber eigentlich das Gegenteil: Aus dem Artikel „Full Ring SHC“ kennst du bereits die sogenannte „CALL20 Regel“ – welche besagt das dein Gegner für einen „Call auf Setvalue“ mindestens das 20 fache des geraisten Betrages übrighaben muss – andernfalls machen wir longterm Verlust. Dahinter verbirgt sich folgende Rechnung:

Da wir nur in einem von 9 Fällen unser Set am Flop treffen, werden wir durchschnittlich 8 mal mindestens den Preflop zu callenden Betrag verlieren ( der Einfachheit halber nehmen wir an dass wir Postflop die Line check/fold spielen). Bei 3BB Preflop wären das:

-3bb * 8/9 = ~ -2,7BB

24bb * 1/9 = ~ 2,7BB

Bei 24bb Gewinn mit jedem gefloppten Set ginge der EV also dementsprechend gegen 0. Nun wird sich der ein oder andere fragen: Moment, moment, CALL20? Das sieht mir aber eher nach CALL8 aus. Und hat damit natürlich recht, nur – ihr könnt zum einen nicht davon ausgehen dass ein geflopptes Set den Autowinknopf darstellt, in etwa 12 % der Fälle werden wir durch Straights, Flushes o.Ä. geschlagen; und zum anderen brauchen wir den Sicherheitspuffer nach oben weil eure Gegner, ja das soll´s auch geben - manchmal eben auch nichts treffen.

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Gegnertypen

Da sich, wie oben bereits angerissen, in den letzten Jahren eine bestimmte Krankheit auf den Lowstakes breitgemacht hat, ist es nötig, dass wir uns auch nach unten immer weiter anpassen müssen. Die ätzende Seuche von der ich rede nennt sich tightness; und hat inzwischen auch die schönsten Fischgründe erreicht. Es gibt trotzdem noch unendlich viele, sinnlos mit der Bankroll umherfeuernde Menschen auf NL10 – 100, aber die Tendenz auf diesen Limits geht immer mehr zu einem einigermaßen tighten Spielstil. Das soll um Gottes Willen nicht heißen, dass diese Gegner in irgendeiner Weise gut sind, an Postflopskillz mangelt es trotzdem (zum Glück) noch an allen Ecken und Enden. Aber sie spielen eben tight, oder zumindest was sie dafür halten. Das ist einerseits gut, andererseits aber auch schlecht für unseren Erfolg. Gut weil wir gerade mit einem Konzept wie Set mining viel aus diesen Gegnertypen herausholen können, schlecht da sie ihre Hände neuerdings leider auch loslassen können. Gliedern wir unsere Fischzucht also in 2 Typen:

Der Tight passive Fisch

Er ist wie gemacht für unser Vorhaben. Du wirst ihn Preflop mit Händen wie AK,TT+, evtl noch AQ raisen sehen, den Rest wird er gemäß seiner Natur mitlimpen. Was passiert ihm also auf einem Flop wie 2dQs9c wenn wir mit 22 in der Hand sind? Richtig, er sieht sich meilenweit in Führung und wird mit AQ, AA und KK gerne jeden Betrag bezahlen, den wir verlangen. Hält er allerdings AK, JJ oder TT, wird es hier relativ schwer, noch Value zu extrahieren. Das war mal anders, aber lassen wir den alten Hut ausnahmsweise mal ab.

Der Loose Aggressive Fisch

Er haut Preflop richtig auf die Pauke, ist immer und überall dabei. MUSS immer und überall dabei sein. Wo immer sich seiner Meinung nach Implied Odds auftun – er ist zur Stelle um den imaginären Gewinn einzusammeln. Und leider ist er wesentlich schwerer auf Setvalue zu spielen als unser tight-passiver Freund. Das Problem: Auch Spieler die Preflop viel zu viel raisen und sich against all odds in jedem multiway Pot wiederfinden haben eine wage Vorstellung von dem, was Postflop passiert oder ihrer Meinung nach passieren soll. Nämlich möglichst große Monster mit möglichst unmöglichen Händen zu floppen. Wenn so ein Spieler einen 3,5 BB Preflopraise mit 75 suited ansetzt, heißt der Plan nicht etwa Headsup jemanden auszuspielen sondern dass sich der Flop bitte 468 im jeweiligen suit präsentiert. Wenn er nicht gerade sehr in Rage ist, wird er Flops wie AhJc6d aber folden und 7h2c3h vielleicht keinen All-In callen. Von ihm gewinnen wir vielleicht viele kleine Pötte, den großen Reibach schießen wir aber eher mit Leuten die nicht von ihrer Hand wegkommen (können). Und dafür ist einer wie geschaffen:

Der Loose Passive Fisch

Er ist der Grund warum Poker explodiert ist, gleichzeitig aber auch leider eine aussterbende Rasse. Im Gegensatz zu seinem aggressiven Konterfei, wird er auf Boards wie AhJc6d seine 75 suited keinesfalls folden – denn wir wissen ja nicht und müssen deshalb mal gucken „was noch kommt“. 48 oder 55/77 scheinen ja gar nicht so weit weg. Das einzige was hier beachtet werden muss: Nicht durch große Bets womöglich doch noch verjagen sondern häppchenweise Valuetownen. GG.

Position – for setvalue

Nachdem ihr nun das Konzept des Set minings sowie die verschiedenen Gegnertypen kennengelernt habt, noch ein kurzes Wort zur Position: Auch hier gilt – je später desto besser. Gerade wenn ihr häufig nicht sicher seid ob ihr entweder riesigen Vorsprung oder bei einem Fehler demnächst keinen Stack mehr habt, ist Position unglaublich wichtig. Sie entscheidet wie ihr entscheidet, deshalb ist es essentiell zumindest Full Ring! an aggressiven Tischen keine niedrigen Pockets aus früher Position zu spielen. Ihr wisst einfach nicht was hinter euch passiert, es kann zu 4bets, wilden All-In Schlachten und sonstigen Dingen kommen die euch eure 3BB Raisegebühr kosten. In Position habt ihr einfach das Zepter in der Hand und die volle Kontrolle über Auf und Abgang des Pots.

In diesem Sinne – viel Aufwind und Petri Heil an den Tischen.