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Richtiges Spiel auf dem Flop: Von +EV Spots und Ranges

Die Entwicklung der Texas Hold´em Games im deutschsprachigen Raum ist schon unglaublich: Noch vor 7 Jahren wussten nur wenige dass der Turn nichts mit Autofahren zu tun hat, der River nicht aus irgendeinem Gebirgsbach der Oberpfalz entspringt und Flop überhaupt ein Wort ist. 2010 spielen Millionen online und fast jeder hat inzwischen mitbekommen, dass man mit 72o nicht unbedingt preflop broke geht. Es stimmt, die Entwicklung unseres heißgeliebten Spiels ist (derzeit) rückläufig, nicht was die Anzahl der Spieler angeht aber in finanzieller Hinsicht für unsere Bankroll. Im Klartext: Poker ist nicht mehr die Gelddruckmaschine von 2005, die man mit nur einem Startinghandchart anschmeißen musste um danach einzusammeln als gäbe es kein Morgen. Die gute Nachricht: Es ist längst nicht so schlimm wie es scheint. Viele haben sich inzwischen zwar ein akzeptables Preflopspiel und ein bisschen ABC Poker angeeignet, Postflop hapert es aber nach wie vor so gut wie überall – denn hier trennt sich die Spreu vom Weizen, Winning und Loosingplayer gehen entweder weiter den Berg rauf oder zurück auf Los. Damit ihr zu ersterem gehört, hier ein Exkurs zu guten und durchdachten Spielweisen am Flop.

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AhQh auf 9h4hKc – und nun?

Welche Hände spielen wir am Flop überhaupt, welche wandern direkt in den Muck und vor allem - warum? Hinter diesen eigentlich recht simplen Fragen steckt der Unterschied zwischen mehreren hunderttausend Dollar Bankroll und einer Karriere die auf NL25 endet. Natürlich kann dieser Artikel das Spiel am Flop nicht vollständig für euch lösen, aber dennoch viele Konzepte aufzeigen die euer Game möglichst auf ein neues Level treiben. Wie spielen wir also die oben genannte Hand? Das kommt, wie so oft im Poker, darauf an. Haben wir es mit einem tighten Gegner zu tun der etwa 13 % seiner Range spielt – was bedeutet das für unseren Nutflushdraw? Nun wenn wir davon ausgehen dass er etwa 11 % seiner 13 % VPIP raised, deutet das im Allgemeinen schon mal auf solides Spiel hin, aber auch darauf dass er wahrscheinlich getroffen hat. Denn seine 13 % drücken sich Preflop etwa so aus: 22+, A8s+, ATo+,JTs+,K9s+,KJo,KQo. Diese Handrange bietet uns jetzt ein wahres Feuerwerk an Information, die wir „nur“ noch richtig interpretieren müssen. Das tun wir mithilfe von Kombinatorik, einem Konzept dass es uns erlaubt verschiedene Szenarien in Prozentzahlen auszudrücken. Grob gesagt können wir uns ausrechnen, wie wahrscheinlich X, Y und Z aus einer Handrange jeweils für sich genommen sind und blicken nicht mehr nur auf eine nichtssagende Kartenansammlung XYZ. Das Konzept „Kombinatorik“ in diesem Artikel schon zu verarbeiten würde ganz klar den Rahmen desselben sprengen, aber keine Angst, wir greifen das noch auf. Zurück zu den knallharten Fakten: Auf einem 9h4hKc Board sind wir mit AhQh zu 58 % gegen oben genannte Range Favorit, könnten theoretisch ( wenn man die Foldequity mitrechnet sowieso ) bereits am Flop All-In pushen. Aber nehmen wir das ganze auseinander: 96 Kombinationen sind Top-Pair, 15 Kombinationen Sets + AA, 96 Kombinationen Ax Hände, 54 Kombinationen Pocketpairs und 48 Kombinationen suited connectors/ suited one-gapper. Viel Information mit denen ihr erst mal nichts anfangen könnt, in Prozenten ausgedrückt hieße das jedoch: 37 % seiner Range besteht aus Top Pair´s und fertigen Sets, dagegen stehen 44 % verfehlte Hände und etwa 18 % Pocket Pairs. Falls sich einige von euch jetzt fragen, was die Pocket Pairs denn bitteschön auf dieser Seite der Rechnung verloren haben – ihr seid hier mit AhQh gegen jedes! PP bis auf AA,KK und obv. 44 und 99 zu ca. 54 % Favorit. Ihr befindet euch gegen diesen Gegner also in einer 60/40 Situation zu euren Gunsten! Ein Push am Flop ist hier also immer + EV, nimmt man jetzt die Foldequity die ihr gegen Händen wie KTs oder KJo immer habt dazu, ist es sogar ein recht klarer Spot. Nun lasst ihr mit einem Push jedoch Value von sämtlichen Händen in eurem Suit liegen, und das ist bei einer Range von K9s+ und JTs+ auch nicht gerade zu vernachlässigen. Da ihr diese Hände deutlich dominiert und mit ihnen im Bestfall sogar um Stacks spielen könnt, empfiehlt es sich eher den Flop zu raisen, anstatt das Geld in Villians Taschen zu lassen. Der Raise ist allerdings nicht nur for Value gut, sondern auch „for Information“. Zwar kein allzu beliebtes Konzept, hier aber durchaus gut anzuwenden, denn spätestens jetzt werden sich Sets, AA und AKo melden, worauf wir dann auch (zumindest bei diesem Gegner) einen klaren Fold haben. Was hier gerade passiert ist, war die Bewertung einer Situation basierend auf Gegnerspezifischen Argumenten, die uns direkt zu einem +EV Spot geführt haben. Natürlich habt ihr an euren Tischen keine Timebank von 25 Minuten und seit nicht Deep Thought, ihr sollt am Tisch aber selbstverständlich auch keine Equityberechnungen durchführen. Es ist jedoch enorm wichtig, dass ihr euch nach! der Session tiefere Gedanken über euer Game macht, dazu gehören auch Spots wie diesen durchzugehen. Ziel ist es hierbei ein Repertoire an Spots zu haben, mit dem ihr eure Gegner letztendlich exploiten könnt. Wenn ihr nämlich ihn oder noch wichtiger ähnliche (es laufen haufenweise ähnliche Spielertypen auf den No Limit Stakes rum) Gegnertypen wiedertrefft, wisst ihr z.B. jetzt schon was ihr mit Overcards auf einem Board mit Flushdraw tun werdet – ihr habt einen Plan. Und ihr werdet es lieben wenn der funktioniert.