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Blindstealing – oder: Richtiges Play an Cutoff und Button
Es gibt im No Limit Hold´em kaum ein Konzept mit dem ihr eurer Bankroll konstant so viel gutes tut wie mit dem stehlen der Blinds. Dabei ist der Ansatz des Blindstealings dermaßen simpel und gleichzeitig so verlässlich, dass wir ihn immer und in jeder Party Texas Hold´em anwenden können – was wir, da unser Ziel ein bis in die kleinsten Facetten durchdachtes, profitables Pokerspiel ist, ab jetzt auch tun werden. Dem wie und wann man die Blinds am geschicktesten einsammelt, sei an dieser Stelle ein kurzer Exkurs zum Thema Profitabilität vorrausgeschickt.
Ein Tropfen auf den heißen Stein?!
Denn viele von euch werden sich jetzt fragen – Blindstealing schön und gut, aber im Endeffekt gewinne ich damit an einem Full Ring Tisch doch höchstens einmal alle 10 Hände 1 ½ BB; lohnt sich das überhaupt? Und was passiert wenn SB und BB gerade keine Lust haben zu folden, sondern plötzlich irgendwelche Moves a la Reraise All-In auspacken? Nein, Nein das klingt mir alles zu riskant, ich spiele lieber weiter mein ABC Game … usw. usf.
Nun, wer sich bereits im ersten Satz wiederfindet unterliegt schon mal dem statistischen Irrtum des Jahrhunderts. Nehmen wir an ihr versucht etwa mit einem Drittel eurer Hände (was schon eher ein konservativer Ansatz ist) die Blinds von Cutoff oder Button zu stehlen, was euch auch in drei Viertel der Fälle gelingt – und sammelt so durchschnittlich 0.6 Big Blinds pro Stealversuch ein. (Wie ihr genau auf diesen Wert kommt, erfahrt ihr im Fortgeschrittenen Artikel zur EV Berechnung – für alle Neugierigen: EV Blindstealing = (0,8 * 1,5) – (0,2 * 3)). Außerdem gestehen wir uns auf 10.000 Hände etwa 150 Fälle zu, bei denen wir tatsächlich stehlen können – und haben einen Profit von: 0,6 * 150 = 90 BB!!! Das ist fast 1 Stack, den wir nur durch Blindstealing gewonnen haben; und jeder ernsthafte Cashgamespieler weiß, dass 10.000 Hände nun beileibe keine große Samplesize sind.
Wie stehle ich nun; und vor allem – wann?
Wie so oft im Poker ist Timing fast noch wichtiger als die Handauswahl – und wirklich nirgendwo ist diese Aussage richtiger als im Blindstealing. Aber kommen wir zuerst zum wie: Im Prinzip stielst du die Blinds ausschließlich, wenn du dich entweder im Cutoff oder im Button befindest. Bedingung ist außerdem, dass möglichst jeder! Spieler vor dir gefoldet hat, denn mit jedem zusätzlichen Mitspieler sinken deine Chancen auf einen erfolgreichen stealing Versuch erheblich. Befinden sich nun also nur noch du, die Blinds und im Höchstfall noch der Cutoff in der Party, raised du, wie sonst auch, standartmäßig auf 3 BB. Sollten deine Kontrahenten jetzt aufgeben, herzlichen Glückwunsch, du hast die Blinds gewonnen. Doch auch wenn du hier einen Call bekommst – keine Panik. Die Chance, dass entweder die Blinds oder der Cutoff hier irgendetwas abseits von irgendwelchem random trash hält mit dem er versucht dich zu Bluffen, ist extrem gering. Gerade weil die Blinds sich ihre Karten nicht aussuchen können, hast du mehr als gute Chancen, trotzdem noch das Beste Blatt zu halten. Kleine Statistik an dieser Stelle:
| Hand |
2 Gegner |
3 Gegner |
| AA-TT, AQ+ |
9,2 % |
13,4 % |
| 88+, AJ+ |
15,4 % |
22,1 % |
| 22+, QJ+ |
32,6 % |
44,7 % |
Diese kleine Tabelle gibt wieder, wie die Chancen dafür stehen, dass deine Gegner ein bestimmtes Blatt erhalten (wie du siehst nicht allzu gut).
Das bedeutet, dass wir auch mit marginaleren Händen stealen können und sogar sollten. Nachdem du nun weißt wie man stealt, kommen wir nun aber zum etwas komplexeren Teil, dem wann.
Dazu müssen wir uns als erstes noch einmal vergegenwärtigen, was wir überhaupt wollen. Unser Ziel beim stehlen der Blinds ist in erster Linie, den (die) Gegner zum folden zu bringen – wäre es dann nicht ziemlicher Schwachsinn das Konzept mit Händen wie AA, KK , QQ und AK anzuwenden? Jaein. Im Prinzip sind wir unseren Gegnern laut Statistik zwar auch dann noch meilenweit überlegen, wenn wir mit Dingen wir A2+ raisen. Das setzt allerdings vorraus, dass unsere lieben Mitspieler auch nach ihrer Handstärke spielen – was sie (und das ist gut!!!) eher selten bis gar nicht tun. Also kommt es maßgeblich auf unsere Gegner an, wenn es um die Auswahl der Stealhände geht.
Beginnen wir gegen Unknown, also mit einem guten Mittelwert von 33 % - das ist jede 3. Hand und drückt sich in Karten etwa so aus: 22+,A2s+,K7s+,QJs,54s+,64s+,76o+,KJo+,A2o+, wir ihr seht ein bunter Mix der besseren Starthände im Deck, welche gegen Villians Range in den meisten Fällen klare Vorteile hat.
Nun spielt, wie gesagt, nicht jeder gleich viele Hände aus den Blinds; und auch euer Table Image verändert sich auch ständig. Mal werden ihr light gecallt, mal gibt man euch Credit, mal trauen euch die Leute alle möglichen Dinge zu, mal könnt ihr ganz ungestört operieren. Habt ihr beispielsweise 2 eher tighte Gegner in den Blinds, die über 85 % ihrer Hände folden, könnt ihr schon fast any two raisen, da es hier nicht mehr auf die Stärke eurer Hand ankommt. Ihr werdet bei derart passiven Blinds mit dieser Spielweise einfach immer Gewinn machen. Aber Achtung: Vollkommen anders sieht es bei loosen Kontrahenten aus, hier gilt NICHT!: Je looser der Gegner, desto looser werde ich in meiner Handauswahl. Haben es sich unsere Gegner zur Lebensaufgabe gemacht, einfach jeden Misst aus den Blinds zu callen und weiterzuspielen, passen wir unsere Strategie einfach in die entgegengesetzte Richtung an: Wir werden tighter. Eine weitere Sonderregel, die ich hier aber nur kurz anreiße und im Artikel über „Foldequity“ weiterführe, ist der Steal aus dem Smallblind: Hier muss der Big Blind lediglich in 75 % der Fälle folden, damit ein Stealversuch mit any two Cards profitabel wird.
Zum Abschluss natürlich noch ein kleines Beispiel zum Thema:
Wir befinden uns mit 89s im Button und haben einen mitunter etwas loosen, aber noch nicht vollkommen verrückten Big Blind neben uns. Der Small Blind ist im Gegensatz zum BB allerdings recht tight, also raisen wir auf 3BB. Der BB callt und der Small Blind foldet, wie erwartet. Das Board kommt Kd3h5c; und damit geradezu ein Traum für eine Continuation Bet. Wir betten etwas unter 2/3 Potsize und der BB foldet – in mindestens 2/3 der Fälle, da seine Chancen, auf dem Flop mit mit any two Cards ein Paar zu bilden gerade einmal bei 32.48% liegen.
Ihr seht also, selbst bei einem Call ist Blindstealing noch immer eine äußerst profitable Angelegenheit – dementsprechend oft sollte es von euch angewendet werden. Petri Heil.

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